Historisches

Das Ensemble aus der bereits in der Denkmalliste aufgeführten Villa Ruhrstraße Nr. 76 und den dahinterliegenden historischen Produktionsgebäuden (derzeit in der denkmalpflegerischen Betrachtung befindlich) wurde von der Wittener Familie Lohmann erbaut und in Planunterlagen im Jahre 1889 erstmalig erwähnt. Zunächst entstand an diesem Ort eine „Dampfkornbranntweinbrennerei“ mit angegliedertem Wohnhaus für die Betreiber. In späterer Zeit folgten verschiedene Nutzungen: Versammlungsort, ein Kino und bis in die jüngste Zeit neben der Wohnnutzung in der Villa im rückwärtigen Teil des Grundstückes Kegelbahnen mit Gastronomie und eine Maschinenfabrik für Aufschnittgeräte.

Auffällig sind die verschiedenen Mauerwerksarten an den Fassaden des Fabrikgebäudes. Neben Ziegelmauerwerk kommen zahlreiche Ausbesserungen aus Ruhrsandsteinen vor, die teilweise fließend in die Ziegelflächen übergehen. An der Westseite der Produktionsgebäude wurden reine Zweckbauten ohne gestalterische Korrespondenz mit der ursprünglichen Gebäudesubstanz errichtet.

Erläuterungen zum Architektenentwurf

Nach Ansicht der Architekten kommt für die Villa, begründet durch die zu nahe Lage an der Ruhrstraße und vorgegeben durch nachbarliche Nutzungen eher eine Büro- oder Praxisnutzung als eine Wohnnutzung in Frage. Für die Gebäude im rückwärtigen Grundstücksanteil gilt, dass die bisherige Produktionsnutzung an dieser Stelle nicht in wirtschaftlicher Hinsicht weiter betrieben werden könnte, solche Nutzungen sind heute eher in Gewerbegebieten zu installieren. Für diese Bereiche kommen wegen der günstigen Lage zur Innenstadt dringend erforderliche Wohnungen in Betracht.

Es entsteht zur Ruhrstraße hin eine platzartige Aufweitung, die deutlich die Eingänge in die vorderen Gebäudeteile zeigt und zudem beste Sichtbeziehungen für die Ein- und Ausfahrt in die Ruhrstraße bietet. Die Anlage wird auf diese Weise eindeutig wahrnehmbar und wird somit zur „guten Adresse in der City“.

Generell soll das nichtstörende Gewerbe eher zur Ruhrstraße hin orientiert werden, um die dahinterliegenden Wohnungen besser vom hin und wieder lebhaften Verkehr abzuschotten. Die Villa soll dann, abgesehen von neuer Fassadenbearbeitung und Überarbeitung von schadhaften Bauteilen weiter nicht in ihrer äußeren Erscheinung geändert werden. Lediglich im Inneren werden kleinere Änderungen vorgenommen, um einen Bürobetrieb für einen künftigen Nutzer zu ermöglichen.

Anders im rückwärtigen Gebäudebereich: hier haben wir es mit dem oben erwähnten Mischmauerwerk aus Ziegel- und Ruhrsandsteinen zu tun. Die Entwurfsidee ist es, die vorhandene Textur der Mauerwerksoberflächen in ihrer Erscheinung so sichtbar zu lassen, da sie die wechselvolle Geschichte des Bauwerks dokumentiert und einen ganz eigenen ästhetischen Reiz bietet. Die meisten Fensteröffnungen werden erhalten bzw. wiederhergestellt. Ausnahmen bilden die beiden westlichen Fassaden zum Innenhof und der Gartenanlage, dort, wo Freisitze und Balkone für die neu entstehenden Wohnungen notwendig werden. Hier soll eine zum Bestand passende neue Fassade aufgebaut werden. Die bestehende Dachkonstruktion im Fabrikbereich entspricht nicht den Anforderungen an modernen Wohnbau und wird aus statischen und bauphysikalischen Erwägungen durch eine neue Konstruktion ersetzt.

Allgemein ist zu beachten, dass alte Gebäudeteile nur erhalten werden können, wenn eine künftige Nutzung den Weiterbetrieb ermöglicht. Wenn man in eine Industriearchitektur Wohnungen einbaut, ist es notwendig, an Dinge wie Barrierefreiheit und an die Einrichtung von Freisitzen und Balkonen zu denken. So wird es also Änderungen und Ergänzungen geben müssen: Dachausbauten sowie freistehende Balkonanlagen sind Elemente, die jetzt neu hinzugefügt werden müssen. Außerdem ist es wichtig, die zu erwartenden Kraftfahrzeuge unterstellen zu können. Dazu wird es auf dem Gelände offene Stellplätze geben und in einem separat zu errichtenden Baukörper an der westlichen Grundstücksgrenze eine Anlage mit offenen Stellplätzen und Garagen.

Baurechtliche Situation

Noch in der Entwurfsphase wurde der örtlichen Baubehörde das Vorhaben vorgestellt. Von dieser Seite wurde bereits die obere Denkmalbehörde konsultiert. Im laufenden Baugenehmigungsverfahren wird sich im Detail herausstellen, welche Denkmalschutzbelange Einwirkungen auf die Planungen haben. Ebenso werden im Verfahren Belange des Schall- und Brandschutzes sowie weitere bauordnungsrechtliche Belange zu beleuchten sein.
Das bedeutet, dass sich an der vorliegenden Planung noch Änderungen ergeben können.

Die Villa wird als eigenes Grundstück aus der Gesamtanlage herausgelöst. Für das verbleibende Fabrikgebäude wird Wohnungseigentum gebildet.

Hinweise zur geplanten Ausstattung

Die Wohnungen werden mit folgenden Bestandteilen gem. separat erstellter Baubeschreibung (Vorabzug, wegen der baurechtlichen Bearbeitung durch die Behörden oder durch technische Umstände können sich noch Änderungen ergeben) schlüsselfertig errichtet und zum Verkauf kommen:

  • Alle Architekten- und Ingenieurleistungen sowie behördlich erforderlichen Genehmigungen sind Bestandteil des Kaufpreises.
  • Für alle neu errichteten Bauteile wird moderner Wämeschutz nach EnEV eingebaut, um den neuzeitlichen Bedingungen an die Gesundheit und an das Energieverhalten zu entsprechen. Im denkmalgeschützten Altbaubereich ist das nicht möglich.
  • Alle Wohnungen sind möglichst barrierearm über Aufzugsanlagen zu erreichen.
  • Einzelne Wohnungen erhalten Gartenflächen.
  • Teilweise entstehen Raumhöhen über 3 Meter im Lichten.
  • Holzfenster, Rollläden sind nur an rel. wenigen Fenstern möglich.
  • Fußbodenheizung mit Kühlfunktion für den Sommerbetrieb
  • Wärmeerzeugung durch Wärmepumpen mit Erdbohrung und Gasbrennwerttechnik.
  • Oberböden wahlweise Fertigparkett oder Fliesenbelag 30/60 nach Auswahl beim Bauträger.
  • Änderungen auf Erwerberwunsch sind in Teilbereichen möglich.

Zeitlicher Ablauf

Baubeginn ist Anfang 2020 erfolgt. Für die Bauzeit ist ein Zeitraum von 18 bis 24 Monaten vorgesehen.